Die gute Nachricht zuerst: Gute Sprache ist keine Frage von Talent – Schreiben kann man lernen. Mit diesen drei Regeln für besseres Schreiben wird jeder Mensch zum Kommunikations-Profi.

 

Schriftsteller umringt eine Aura des Besonderen. Schließlich haben Sie nicht nur eine Geschichte erfunden, sondern diese auch noch in ansprechende Worte verpackt. Ach, könnte man doch diese Kreativität auch für die eigene strategische Kommunikation nutzbar machen …

 

Doch halt, das geht! Tatsächlich lässt sich gute Sprache empirisch messen, in Regeln fassen, erlernen – und auf den Alltag der Unternehmenskommunikation, der Öffentlichkeitsarbeit und der PR-Kampagnen übertragen. Der Journalismus lebt es schließlich seit Jahrzehnten vor. Dort ist gute Sprache vor allem eines: Handwerk.

 

Doch genug der schönen Worte, kommen wir zur ersten Regel!

 

Tipp 1: Starke Verben

Das Deutsche ist nicht nur geografisch, sondern auch sprachlich ein Scharnier in der Mitte Europas – romanische Einflüsse wechseln sich mit angelsächsischen ab, auch aus Norden und Osten mischen sich Begriffe bei.

 

Das ist ein riesiger Vorteil. Denn die vielen Wurzeln haben die deutsche Sprache über die Jahrhunderte enorm bereichert. Kurz: wir verfügen über einen riesigen, reichen Wortschatz.

 

Das gilt auch für die Verben – die sogenannten Muskeln der Sätze (so Wolf Schneider in seinem Standardwerk „Deutsch für Profis“). Was macht Verben so besonders? Während Substantive und Adjektive statisch sind, bringen Verben die Handlung voran. Sie sind also der rote Faden Ihres Textes, lassen Akteure lebendig werden und befeuern das Kino im Kopf.

 

Versuchen Sie es einmal selbst – nehmen Sie ein geläufiges Wort wie „gehen“. Wieviele Variationen, wieviel präzisere Alternativen fallen Ihnen ein? Es gibt Dutzende: Schlurfen, hasten, hoppeln, eilen, spazieren, schlendern … und mit jedem Begriff springt unweigerlich ein Film in der Birne an. Sie sehen vor dem inneren Auge, was Sie lesen. So wird Sprache lebendig – auch in Unternehmensprofilen, Webseiten und Blogtexten.

 

Ein letzter Tipp: Vermeiden Sie dabei abgedroschene Redewendungen wie „auf den Kopf stellen“ oder „die Welt im Atem halten“. Gute Sprache überrascht und fühlt sich neu an, ähnlich einer neuen Würze oder einer kräftigen Farbe.

 

Starke Verben sind der Schlüssel zu guter Sprache und gelungener Kommunikation. Peppen Sie Ihre Texte also auf, indem Sie beim letzten Durchlesen noch einmal besonderes Augenmerk auf die Verben legen!

 

Tipp 2: Finger weg von Adjektiven

 

Präzision ist ein Merkmal guter Sprache. Also her mit den Adjektiven! Oder doch nicht?

 

Tatsächlich zählen Adjektive zu den Todsünden guter Schreiber. Denn sie blähen Texte unnötig auf und bringen eben keinerlei Mehr an Information. Anders als Verben sind sie statisch und machen texte dadurch schwerer verständlich. Häufig durch Doppelungen, etwa dergestalt: „Ihre persönliche Anwesenheit ist nötig!“ War Anwesenheit etwa jemals unpersönlich?

 

Zudem sind Adjektive oft nicht intersubjektiv nachvollziehbar – jeder Mensch versteht sie also etwas anders. Denn sie basieren oft auf einer persönlichen Einschätzung. Was ist „exzentrisch“, was „geschmackvoll“? Was der eine als „protzig“ wahrnimmt, ist für den anderen „fad“. Oder anders gesagt: Was meint ein bekennender Sado-Masochist, wenn er seinen Abend „schön“ fand? Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht dasselbe wie Sie.

 

Einzige Ausnahme ist die Unterscheidung: Draußen stehen zwei VW Golf – der blaue ist meiner! Hier sind Adjektive erlaubt, denn sie bringen ausnahmsweise das, was sie sonst verhindern: Präzision.

 

Was bedeutet das für Ihre Texte? Setzen Sie sich selbst auf Adjektiv-Diät. Und streichen Sie beim Korrekturlesen gnadenlos jedes zweite Eigenschaftswort – im Schnitt. Dass dabei Ihre Lieblings-Formulierungen flöten gehen, ist wahrscheinlich. Kill your babies! Ihre Leser werden es Ihnen danken.

 

Tipp 3: Auf die Länge kommt es an – der Satz

 

Die letzte Regel ist leichter zu befolgen, denn Sie können sich aufs Zählen verlegen: Die Kommunikationsforschung belegt, dass der durchschnittliche Deutsche maximal 13 Worte pro Satz versteht. Nehmen Sie dies als Richtwert für die Obergrenze Ihrer Sätze. Geht es um gesprochene Sprache, sinkt der Wert nochmals.